Die klösterliche Arbeit im Geist des Hl. Benedikt

2014-12-13 21.16.20
©guenter-ludwig-lichtenthal-19
DSC_1026
©guenter-ludwig-lichtenthal-55

Ora et labora – Bete und arbeite gilt als Grundsatz der benediktinischen Klöster, obwohl dieser Satz nirgendwo ausdrücklich in der Ordensregel steht. Arbeit erscheint hier einfach als Selbstverständlichkeit in einer Gemeinschaft, in der alle einander dienen sollen. Sie sichert den Lebensunterhalt. Auch in Lichtenthal trägt jede Schwester nach ihren Kräften und Fähigkeiten zur Erwerbs- oder Hausarbeit bei.

Als die cisterciensische Reform im Jahr 1098 ihren Anfang nahm, wurde in den benediktinischen Klöstern eine solch ausgedehnte Liturgie gefeiert, dass für die Arbeit keine Zeit mehr blieb. Der hl. Benedikt sah jedoch ein organisches Miteinander von Gebet und Arbeit vor, und wollte, dass das Kloster von der Arbeit der Mönche leben konnte:

“Dann sind sie wirklich Mönche, wenn sie von der Arbeit ihrer Hände leben, wie unsere Väter und die Apostel” (Regel Kapitel 48,8). Deshalb kehrten die Cistercienser zu dieser Lebensordnung zurück und reduzierten die Liturgie, um der Arbeit genügend Raum geben zu können.

Die tägliche Arbeit dient nicht nur dem Lebensunterhalt, sondern auch der geistlichen Formung. Sie ist das Mittel, mit dem wir die Mühe des geistlichen Lebens auf uns nehmen, sie ist ein Kennzeichen echten monastischen Lebens.

Wie eng Arbeit und geistliches Leben zusammenhängen, geht aus vielen Regelanweisungen hervor: Die Arbeitsbereiche sollen sich im Klausurbereich innerhalb der Klostermauern befinden, damit die Klostergemeinschaft an einem Ort zusammen bleibt und “die Mönche nicht draußen herumzulaufen brauchen, was ihren Seelen ja durchaus nicht zuträglich wäre.” (Regel, Kapitel 66,6-7) Die Stabilität, ein Grundanliegen Benedikts, soll auch in der Arbeit zum Ausdruck kommen.

Die Arbeit in der klösterlichen Gemeinschaft setzt ein hohes Maß an Teamfähigkeit voraus. Dies beinhaltet Haltungen wie Gehorsam, Verfügbarkeit, Pflichtbewusstsein, Friedfertigkeit, Ehrfurcht, Bescheidenheit und Geduld. Selbstverwirklichung und Mitbestimmung im benediktinischen Sinn bedeutet, dass man sich für die gemeinsame Sache selbstlos einsetzt: “…Die Brüder dienen sich gegenseitig, keiner ist vom Dienst in der Küche entschuldigt…. denn dieser Dienst hat großen Lohn und vermehrt die Liebe…. ” (RB 35, 1.2.6.). Eine jede Arbeit in der Nachfolge Christi, die in Liebe und ohne Murren getan wird, dient der Ehre Gottes und dem inneren Wachstum der Gemeinschaft.

Beim Verkauf der hergestellten Waren “darf sich nicht das Laster der Habsucht einschleichen, ….damit in allem Gott verherrlicht werde.” Benedikt sieht in seiner Regel vor, dass die Mönche ihre Fähigkeiten und beruflichen Qualifikationen in die klösterlichen Arbeitsbereiche einbringen: “Handwerker im Kloster sollen ihr Handwerk in aller Demut ausüben”. Im Kloster Lichtenthal haben viele Schwestern qualifizierte Ausbildungen, z.B. Meisterbriefe erlangt oder Studien absolviert, sie arbeiten in ihrem Metier.