Eine Schule für den Dienst des Herrn

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Der heilige Benedikt bezeichnet das Kloster als “Schule für den Dienst des Herrn” . Diese Schule, die am Anfang oft rau und hart sein kann, soll uns zur Weite des Herzens und zur Gottesliebe führen (Vgl. Regel, Prolog). Unser Leben ist geprägt von zwei Polen; einerseits sind das Gemeinschaftsleben und die schwesterliche Liebe bedeutsam, andererseits die Einsamkeit, die für Gott empfänglich machen will. Wir Cistercienserinnen von Lichtenthal leben in der Begegnung miteinander, mit Besuchern und Gästen, mit Schülerinnen und Schülern, mit Angestellten und Kollegen.

Der Alltag unserer Gemeinschaft spielt sich weitgehend im Inneren des Klosters, der Klausur, ab. Die Klausur dient nicht dazu, uns von der Außenwelt abzutrennen, sie bereitet uns vielmehr den Raum der Stille, der Sammlung und die Atmosphäre des Gebetes. Sie hilft uns, zu uns selbst zu kommen und den Menschen im Gebet nahe zu sein.

Das Schweigen hilft, in der Stille zu bleiben. Die Schlichtheit eines einfachen Lebensstils hält den Blick auf Gott frei. Mitten im Alltag mit seinen immer gleichen Aufgaben und Pflichten, im Umgang mit den Mitschwestern bewährt sich die Liebe zu Christus. Gebet, geistliche Lesung und Arbeit bestimmen den klösterlichen Tagesrhythmus nach der Benediktsregel. Dabei steht die Liebe immer im Mittelpunkt, zuerst die Liebe zu Christus, “dem nichts vorgezogen werden” darf (Regel Kap. 4,21 und Kap. 72) und ebenso die Liebe zueinander.

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Gemeinschaft

Seit frühesten Zeiten ist die Urgemeinde von Jerusalem das Vorbild der klösterlichen Gemeinschaft. Sie ist deshalb mehr als ein Team Gleichgesinnter. Die frühen Cistercienser bezeichneten das Kloster als “Schule der Liebe”. Die Gemeinschaft als Schule gegenseitiger Liebe soll jede einzelne Schwester auf ihrem Weg der Gottsuche unterstützen.

Maria Bernadette Hein ist die 46. Äbtissin von Lichtenthal. Sie leitet seit dem 1. Mai 2001 den Konvent nach ihrem Wahlspruch: Im Namen Jesu Christi.
Zu unserer Gemeinschaft gehören 21 Frauen im Alter zwischen 40 und 99 Jahren. Wir sind ins Kloster Lichtenthal gekommen, weil Gott uns gerufen hat. Die gemeinsame Berufung in die Nachfolge Christi, zur Anbetung und zum Gotteslob sichert unseren Zusammenhalt stärker als menschliche Sympathien und Bindungen.

Die Gottesliebe konkretisiert sich im Gehorsam, das heißt in der gegenseitigen schwesterlichen Liebe und in der Verfügbarkeit für die Bedürfnisse der Gemeinschaft. Auch in Alter und Krankheit hat jede Schwester ihren Platz in der klösterlichen Familie.

Der heilige Benedikt sagt am Schluss seiner Regel im Kapitel 72 “Vom guten Eifer”, der “zu Gott und zum ewigen Leben führt”, worauf es ankommt:

“…einander in gegenseitiger Achtung übertreffen,
Schwächen in größter Geduld aneinander ertragen,
sich im gegenseitigen Gehorsam überbieten,
nicht den eigenen Vorteil suchen, sondern mehr den der anderen,
einander selbstlos die brüderliche/schwesterliche Liebe erweisen,
Gott in Liebe fürchten,
dem Abt/der Äbtissin in aufrichtiger Liebe zugetan sein.
Wir sollen “Christus gar nichts vorziehen, der uns alle zum ewigen Leben führen möge.”

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Cistercienserin werden?

Jede Ordensberufung beginnt mit dem Ruf Gottes, der sich in einer großen Sehnsucht zeigt, Gott mit ganzem Herzen zu suchen und Ihm mit allen Kräften dienen zu wollen. Frauen, die diesen Ruf in sich spüren, sind herzlich eingeladen, mit uns diese Berufung zur Cistercienserin klären.

Ein Tag im Kloster

sonntags werktags
7.15 Laudes Betrachtung
8.45 Terz 7.00 Terz
9.00 Eucharistiefeier 7.15 Eucharistiefeier
geistliche Lesung geistliche Lesung
9.00 Arbeitszeit
11.45 Sext und Non 12.45 Sext und Non
12.00 Mittagstisch 13.00 Mittagstisch
Erholungszeit Erholungszeit
14.30 Arbeitszeit
17.00 Vesper 17.00 Vesper
17.45 Abendtisch 18.00 Abendtisch
Rekreation Rekreation
19.15 Komplet 19.15 Komplet

Bete und arbeite

Erdbeeren
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Der heilige Benedikt weist uns an, “der Liebe zu Christus nichts vorzuziehen”. (RB 4,21)

Das geschieht vor allem im Gottesdienst, dem nichts vorgezogen werden soll. (RB 43,3)

Im Stundengebet bringen wir Gott unser Lob dar. Es dient nicht nur unserer persönlichen geistlichen Formung, sondern es ist das Gebet der Kirche, das Gebet aller Christen. Stellvertretend für die Menschen tragen wir in den Psalmen, den Gebeten des Volkes Israel, die auch Jesus gebetet hat, das Lob, den Dank, die Nöte und Bitten aller vor Gottes Angesicht. Die Kraft des Gottesdienstes wurzelt im je persönlichen Gebet der einzelnen Schwester. Sie soll ständig in der inneren Haltung des Gebetes leben, um für Gott ganz offen zu sein.

Wir singen den größten Teil des Stundengebetes in lateinischer Sprache, der Sprache der Kirche, in den alten Melodien des Gregorianischen Chorals nach der Tradition des Cistercienserordens. So sind wir in einem Netz des Gebetes mit den Christen in der ganzen Welt, aber auch mit den Christen der vorausgegangenen 2000 Jahre verbunden.

„Nur dann sind sie wahre Mönche, wenn sie von ihrer Hände Arbeit leben.“ (RB 48,8)

Die Arbeit im Kloster ist nicht nur notwendig, für den Lebensunterhalt, sie ergänzt das Gebet und ist, in der rechten Gesinnung als Dienst an der Gemeinschaft ausgeführt, auch ein geistliches Tun, das uns in der Liebe zueinander wachsen lässt.

Jahrhundertelang wurde das Gesicht Lichtenthals von der Landwirtschaft geprägt. Rund um den Klosterhof gruppierten sich Ökonomiegebäude und Werkstätten, so wie es in der Regel Benedikts bestimmt ist: Mühle, Schmiede, Bäckerei, Brennerei, Seifensiederei, Sattlerei. Wo jetzt im Klosterhof gepflegter Rasen ist, waren Viehkoppeln und Tränken, die aus dem Marienbrunnen gespeist wurden. Die “Aumatt”, heute Teil der Parkanlagen der berühmten Lichtenthaler Allee, war Wiese und Ackerland.

Dieses Bild hat sich gewandelt. Infolge der Säkularisation übernahmen die Schwestern die Mädchenschule des Stadtteils, um so die Aufhebung des Klosters zu verhindern. In der Zeit des NS-Regimes kamen Kunstwerkstätten hinzu. Die Landwirtschaft wurde inzwischen ganz aufgegeben, die Ökonomiegebäude zum Gäste- und Tagungshaus umgebaut.

So arbeiten die Schwestern heute bei der Betreuung von Gästen, in Haus, Garten und Sakristei, als Lehrerinnen in der Grundschule und in der Bibliothek, im Kerzenatelier und in der Backstube, bei der Betreuung der alten und kranken Schwestern, an der Pforte und in der Verwaltung. In den meisten Arbeitsbereichen werden sie von Angestellten unterstützt.